Algorithmus

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Der Algorithmus is a funny thing. Technologisch betrachtet soll er das Fenster aufmachen. Sieh hin. Praktisch umgesetzt präsentiert sich die Chance, dass uns der Algorithmus nur noch mit Faksimiles konfrontiert. „Sie haben eine Waschmaschine gekauft. Kann ich Sie für diese 13 anderen Waschmaschinen begeistern? Vielleicht wollen sie eine Sammlung starten.“ Ich habe diesen Scherz irgendwo gehört.

Das Phänomen der Gleichheit ist sowohl beruhigend als auch Horror. Toll, dass alles gleich ist, ewig reproduziert. (Es erspart uns sehr viel Mühe) Wie grauenhaft, dass wir nie wieder etwas Besonderes kennenlernen werden.
Ich wollte mich kürzlich in der Instagram Literatur Blogger Szene verlieren und es ist mir nicht gelungen, weil alles so austauschbar war. Fotografien von Kaffeetassen, Blumen als Lesezeichen, das Buch selbst Staffage für irgendwas, nur was, Follower? (Please follow me on Instagram). Seitdem ich mir auf youtube angesehen habe, wie ein dicker, tätowierter und fluchender Koch einen Hamburger produziert, werden mir andauernd neue Köche angeboten, alle ebenso tätowiert, fluchend und dick, als gäbe es einen niemals endenden Vorrat.

Die Vorhersagbarkeit

Ich stöhnte kürzlich in meiner Lieblingsbuchhandlung auf, als ich auf dem Klappentext las: „Vor dem Fall der Deutschen Mauer“ … habe ich schon gelesen. Genauso wie: „Am Ende des Zweiten Weltkriegs“… „jemand in der Familie hat eine Krankheit“ (vorzugsweise Alzheimer) …. Ich fragte den wunderbaren Händler, ob er mir nicht etwas empfehlen könne, was nicht so ist, es ist uns nicht gelungen. Ich kaufte Stuckrad-Barre, was mir nach den ersten 100 Seiten fast peinlich ist, und einen Roman, der in Illinois spielt. Illinois klingt für einen Wahlberliner wie mich wunderbar anders, so ganz ohne Mauer und Weltkrieg.

Es wird gesagt, der Algorithmus kann benutzt werden, um die Zukunft vorherzusagen. Davor habe ich Angst, wenn mir Amazon ein Buch empfiehlt, das ich auch wirklich lesen will. Meine von Spotify ausgewählte Playlist hat immer einen oder drei Songs, die mir wirklich gefallen. Einer oder drei von dreißig, ist das gut? Offensichtlich funktioniert der Gedankenschluss: Sie mochten dies, sie mögen das, nur bedingt. But come on, letz all get rich on bitcoins.

Das ist die Filterblase, oder nicht? Ich bekomme nur, was ich schon habe. Ich habe mir ein Video über ein einhundert Jahre altes Aal Gericht in Japan angeschaut, hier sind drei andere und keines über etwas, das ich mir nicht vorstellen kann. Wie z. B …, ja was denn z. B. Mir fällt nicht einmal mehr ein, was ich nicht kenne. Das Muster wiederholt sich, ein echter Algorithmus, der unbewegte Beweger, in Zirkeln folge ich meinen eigenen Spuren, bin verfolgt, verfolge selbst.

Ein Kriegsverbrecher hat recht:

„There are known knowns. These are things we know that we know. There are known unknowns. That is to say, there are things that we know we don’t know. But there are also unknown unknowns. There are things we don’t know we don’t know“ – Donald Rumsfeld

Diese Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen, sind Gold. Es ist wichtig zu fragen, wann hast du das letzte Mal etwas gefunden, das du nicht gesucht hast, auf was bist du gestoßen. Die Links und Stories in unseren Feeds lullen uns ein, weil wir nicht nur einmal leben, sondern tausendmal. Aber wann hast du zum letzten Mal den Algorithmus verlassen? Hat er aufgepasst, dazu gelernt, verstanden, was dir wichtig ist? Ist das Unknown Unknown von heute Abend nicht schon das „du magst vielleicht auch das“ von morgen? Wird etwas aus dem Algorithmus herausgerechnet für diese neue Tatsache. Ein endloses Nullsummenspiel auf dem Weg zu dir selbst, genauso sein, wie alle anderen? Die gleichen Bilder auf Instagram, die gleichen Antworten im Buzzfeed-Quiz. Jede Veränderung nur ein Tweak und kein Redesign und dazu 300 Artikel auf Medium, alle mit dem Titel: „Wie ich mich selbst erkannt habe und andere Geschichten darüber, wie ich produktiver geworden bin.“ Und wenigstens wird dir vorhergesagt, wie lang du lesen wirst. Habe ich sieben Minuten, um mein Leben zu verändern? Habe ich 300 mal sieben Minuten, um mein Leben zu retten?

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan? Fang jetzt damit an. Nur noch das zu sehen, was wir schon kennen und nur noch das zu bemerken, dessen Substanz uns bekannt ist, macht uns zu Mittätern. Das ist alles langweilig und wir dürfen uns nicht mehr beschweren, wenn die Welt zugrunde geht. Also los, Babysteps. Du warst bestimmt noch nicht auf dieser Webseite und stiehlt sie dir nicht dein Herz? Stehst du auf deinen Zehenspitzen, wenn du dir die Zähne putzt? Ok, hör dir diesen Song an. Etwas Neues sehen oder erleben, bringt uns dazu hinzusehen, mitzumachen, darüber zu reden. Zwei dieser Beispiele sind nur das Internet, stell dir vor was passiert, wenn wir uns IRL treffen. Das Unbekannte zwingt uns dazu, uns zu konzentrieren. Wir können uns nur in das verlieben, das wir noch nicht kennen. Denn alles andere haben wir schon. Das Potenzial uns zu verlieben ist der Fehler im Algorithmus, womit wir nicht rechnen, um endlos weiter zu machen, in dem Wissen, als hätten wir die Schule nie verlassen, mit Fehler weitergerechnet.

 

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