#ICE25

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#ice25

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Der #ICE25 Werbespot wird ja grade ziemlich abgefeiert, denn es geht um ein hochaktuelles Thema: Schwule im Fußball. Say what?

Leider wird der Twist natürlich von allen Nachrichtenagenturen gespoilert und es ist gleich klar: Da geht’s irgendwie um Schwuchteln, weil ein Tabu gebrochen wird. Das ändert das Sehverhalten. Ein junger Mann reist durch Deutschland, um immer dabei zu sein, wenn sein Bae auf dem Platz spielt. Er nimmt in Kauf, dass er in den Fanblöcken der Gegner steht. Ich als Fußballfanamateur weiß jetzt nicht, wie realistisch das ist. Und wie oft Fans wirklich einsam unter Feinden sind. Es lässt sich jedenfalls sagen, dass er die meiste Zeit allein bleibt, auch wenn er unter Leuten ist. Der Kicker der ganzen Sache ist natürlich, dass der Spot in einem Treffen auf dem Bahnhof kulminiert, wo sich die beiden, Fan und Spieler, ganz herzlich in die Arme fallen und dann (Achtung, Achtung) Hand in Hand davonlaufen.

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the Beef mit #ice25

Die hymnische Reaktion zeigt natürlich, dass alle nur darauf gewartet haben, sich irgendwie zu freuen. Es lässt sich sagen, dass der Großteil OK mit der ganzen Chose ist. Ich meine jetzt uns Schwule, von denen inzwischen alle so viel wissen: er ist mein Bruder, mein Nachbar, mein Vater, mein Kollege, mein Sohn, er ist mein bester Freund, mein Schulkamerad. Also kennt jeder eigentlich einen, was natürlich dazu führt, dass man uns inzwischen relativ normal findet. Allein die Reaktion auf derlei (z. B. verweist die Zeit gerade explizit darauf, dass die Serie London Spy aus „der Sicht eines homosexuellen Mannes“ erzählt wird (hört, hört)) deutet an, dass es zur Normalisierung noch ein paar Schritte sind.

Die Krux dieser Darstellung ist natürlich die Annahme, dass durch „die Sicht eines homosexuellen Mannes“, die Story grandios anders ist. „Ah ja, so ist das also“, murmelt sich Deutschland in den Bart. Ich würde jetzt gern frei sagen, dass das Blödsinn ist. Viel mehr geht es um den Sachverhalt, dass Schwule überhaupt mal etwas machen dürfen außer Sidekick und Handhaltung. Der Schwule als Hauptprotagonist kann ja gar nicht anders sein als andere, weil er eigentlich auch nichts anderes durchmacht als andere. Natürlich wird der Schwule explizit wegen seiner Neigung diskriminiert, aber wie verschieden ist diese Diskriminierung im Gegensatz zu der von Frauen, Ausländern oder Kevins?

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Also Kontext

Das Versagen von #ICE25 wird in diesem Kontext klar. Nämlich darin, dass in sehr vielen Chefetagen darüber verhandelt wurde, ob sich die beiden jetzt küssen dürfen, oder lieber nicht. Und irgendein Bürokrat mit ziemlich viel Power hat entschieden: ähhh, nein. Denn dann würden ja vielleicht weniger Leute mit der Bahn fahren (Ich habe diesen Satz jetzt mehrmals gelesen und gedacht: Leg da mal mehr Emphase drauf, sonst versteht keiner, wie gemein du es meinst, was ich hiermit tue). Generell wird mit der einfachen Tatsache, dass Schwule sich nämlich durchaus gern küssen, ungern umgegangen.
Real bewegen wir uns weg von den Klischees, medial sind sie noch Verhandlungssache, weil alle feige sind.

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Once more with feeling

Die Leute sind euphorisch, weil im neuen Pixarfilm vielleicht für 5 Sekunden ein lesbisches Pärchen zu sehen sein wird. #GiveCaptainAmericaABoyfriend ist ein Trend. Und wenn sich der erste Bundesligaspieler outet, ist das gar kein Problem. Die Leute erwarten es, und zwar voller Freude und Bereitschaft, um ihr Leben danach genauso weiterzuleben, wie zuvor.
Wenn wir es ernst meinen, und ich meine euch, dann müsst ihr uns knutschen lassen, wie alle anderen auch. Halbe Schritte werden lächerlich und senden das Signal: Ja, aber lieber nicht. Das muss aufhören, weil es so einfach nicht mehr ist und auch niemals wieder sein darf. #lasstunsendlichknutschen

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